Ausblick

Nach über 30 Jahren intensivierter Forschung im Bereich der Musikphysiologie und Musikermedizin mit zahlreichen alarmierenden Studien zur Gesundheitsproblematik bei Musikerinnen und Musikern kann durch die Gründung des SHZM die primäre Prävention von Spiel- und Gesundheitsproblemen auf Ebene der Musikhochschulen und Musikschulen in der Schweiz wesentliche Impulse erhalten. Einerseits soll durch musikphysiologische Lehre und Forschung die Ausbildung der Studierenden an den schweizerischen Musikhochschulen weiter verbessert werden. Andererseits sollen die musikphysiologischen Weiterbildungsmöglichkeiten für bereits berufstätige Musikerinnen und Musiker ausgebaut werden. Dabei kann auch dem grossen Stellenwert von Weiterbildung im Rahmen der Bologna-Reform Rechnung getragen werden.

Ein entscheidender Vorteil des SHZM gegenüber vergleichbaren Instituten in den USA und den anderen europäischen Ländernbesteht darin, dass die zusammenarbeitenden Fachbereiche und Dozierenden gut in den Ausbildungsalltag und das Lehrerkollegium ihrer jeweiligen Musikhochschule eingebunden sind. Dadurch kann der Gefahr entgangen werden, mit dem SHZM einen Fremdkörper zu bilden, welchem es an Vertrauen und Rückhalt seitens der Studierenden und Dozierenden mangelt. Auch wenn der Bereich Musikphysiologie in Lehre und Forschung an Musikhochschulen viele medizinisch-therapeutische Kompetenzen benötigt, so sollen diese doch immer im Dienste der Kernaufgaben der Hochschule, d. h. einer umfassenden Ausbildung und Weiterentwicklung der künstlerischen und pädagogischen Fähigkeiten stehen. Dies soll der sehr offene Begriff Musikphysiologie im Namen des Hochschulzentrums andeuten. Gerade im Bereich der den Grossteil aller Beschwerden bei der Musikausübung verursachenden funktionellen Störungen lässt sich durch eine frühzeitige Verbesserung der Selbstorganisationsfähigkeit bei Musikerinnen und Musikern ( Hilfe zur Selbsthilfe ) viel erreichen. Dadurch kann der allgemeinen Tendenz zur Pathologisierung, Medizinisierung und Kommerzialisierung im Umgang mit berufsbezogenen Beschwerden entgegen gewirkt werden.